Posts mit dem Label bouquinist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label bouquinist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Tarzan (Der Affenmensch)

Edgar Rice Burroughs’ “Tarzan of the Apes” erschien zuerst im All Story Magazine und wurde 1914 als Buch veröffentlicht, das sofort die Bestsellerlisten anführte. Für Ray Bradbury war es eines der besten Bücher, die er kannte.

Wir sind alle nur Tiere

In den folgenden Jahren forderten die Leser etwa fünfundzwanzig Fortsetzungen von Burroughs. Die Statistiken sind erstaunlich: Bis 1970 gab es zum Beispiel mehr als sechsunddreißig Millionen Tarzan-Bücher in einunddreißig Sprachen; außerdem gab es mehr als fünfzig Tarzan-Filme (von den unzähligen Samstagsmatineen, in denen Johnny Weissmuller seinen berühmten Tarzan-Schrei ausgab, bis hin zu den jüngsten Inkarnationen wie “Greystoke” und “Legend of Tarzan”). Der Gelehrte Russel Nye hörte sich in der gesamten amerikanischen Kultur um und kam zu dem Schluss: “Tarzan bleibt die größte populäre Schöpfung aller Zeiten.” Die Strahlkraft mag in Europa nicht ganz so bedeutend sein (man träumt auf dem alten Kontinent anders), und dennoch bleibt Tarzan auch hier ein Phänomen.

Tarzan
Tarzan

Die dreizehnte Geschichte / Diane Setterfield

Im Jahre 2006 war Diane Setterfield eine der meistdiskutierten Autorinnen der Welt, da war ihr Debütroman noch nicht einmal erschienen. Der Grund, warum diese englische Akademikerin für so viel Aufregung sorgte lag an einem Bieterwettstreit, den man sich auf beiden Seiten des großen Teiches zehn Tage lang lieferte, denn jeder wollte “Die dreizehnte Geschichte” unbedingt als erster haben, nachdem das Manuskript bei einem Schreibseminar, bei dem es eigentlich um die Frage ging, wie man es schafft, ein Buch zu veröffentlichen, von dem Autor Jim Crace entdeckt wurde. Dadurch wurden einige Verleger aufmerksam. Schließlich ging das Manuskript für unglaubliche 800.000 Pfund in Großbritannien und für 1 Million Dollar in den USA an die jeweiligen Gewinner. Mehrere Übersetzungsverträge wurden gleich mit unterschrieben und von Anfang an standen die Filmemacher Spalier. Das waren Dimensionen, die man bis dahin nur von Stephen King kannte (einige werden an JK Rowling denken, aber die hatte einen ganz anderen Weg zu gehen).

Die dreizehnte Geschichte
Die dreizehnte Geschichte

Die Geheimnisse von Hill House / Elizabeth Hand

Elizabeth Hand liebt Spukhäuser, die in ihrem Werk eine wichtige Rolle spielen. Tatsächlich hat das klassische Spukhaus in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt, aber die meisten dieser Geschichten sind nicht besonders gut. Bly Manor, das Overlook Hotel und natürlich Hill House stehen nach wie vor an der Spitze dieses unverzichtbaren Klassikers der Schauerliteratur, und es gibt auch einige kurze Beiträge wie natürlich das Usher House oder das Eel Marsh House, aber es ist kaum zu bezweifeln, dass Shirley Jackson mit „Spuk in Hill House“ die Trophäe gebührt.

Elizabeth Hand

Dieses Erbe wird von der Familie Jackson natürlich mit Argusaugen bewacht, und ein Nachfolger für den Klassiker wurde über die Jahre immer wieder diskutiert, kam aber nie zustande. Nun aber hat der Jackson Trust erstmals eine Fortsetzung lizenziert und die Rechte an die mehrfach mit dem Shirley Jackson Award ausgezeichnete Elizabeth Hand vergeben. Das kommt nicht von ungefähr, denn Hand steht seit langem in Kontakt mit Jacksons Agentin Mary Weiss und dem Nachlassverwalter Laurence Jackson. Das Konzept für den Roman entstand in mehreren Zoom-Sessions: Eine kleine Gruppe von Theaterleuten zieht für kurze Zeit ins Hill House, um dort ein Stück einzustudieren.

Die blaue Stunde / Paula Hawkins

Seit ihrem Durchbruch 2015 mit "The Girl on the Train" hat sich Paula Hawkins als meisterhafte Erzählerin psychologischer Spannungsromane etabliert. "Die blaue Stunde" bleibt dieser Linie treu und bietet eine Geschichte, die sich langsam entfaltet, dabei aber zunehmend an Intensität gewinnt. Es ist kein klassischer Krimi oder Thriller, sondern vielmehr ein atmosphärisch dichter Roman, der einer kunstvoll geknüpften Intrige gleicht: Man weiß, dass man irgendwann das Zentrum erreichen wird, doch was einen dort erwartet, bleibt lange ungewiss.

Paula Hawkins

Die Inspiration für den Schauplatz des Romans kam Paula Hawkins während eines Urlaubs, als sie wegen einer Verletzung ans Bett gefesselt war. Sie sah eine Insel und begann darüber nachzudenken, welche Geschichten sich dort abspielen könnten. Ihre Liebe zur Kunst spielte ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander.

The Shadow

"Who knows what evil lurks in the hearts of men? The Shadow knows!" (Wer weiß, welches Böse in den Herzen der Menschen lauert? Der Schatten weiß es!).

Dieser Satz, gesprochen von dem Schauspieler Frank Readick, wurden begleitet von einem musikalischen Thema, dem 1872 komponierten Le Rouet d'Omphale von Camille Saint-Saëns.

In unseren Breitengraden spielte The Shadow keine große Rolle, aber in Amerika ist er einer der bekanntesten Pulp-Helden überhaupt.

Meister der Täuschung


"The Living Shadow"; Cover von The Shadow #1 (April 7, 1931).
Gezeichnet von Modest Stein.

Die Ratten im Gemäuer / H.P. Lovecraft

Geschrieben von Albera Anders

Zwischen Ende August und Anfang September 1923 soll Lovecraft diese Erzählung geschrieben haben, denn schon am vierten September vermerkt er, laut Joshi, in einem Brief ihre Fertigstellung. Die Erzählung selbst beginnt mit einem ähnlichen Datum, nämlich dem 16. Juli des Jahres 1923. Der Gegenwartsbezug, ein, wie sich später herausstellte, Markenzeichen des Autors. Es sei "[…] das historisch komplexeste und zugleich aktuellste erzählerische Werk […]; das Lovecraft zu diesem Zeitpunkt zu Papier gebracht hatte.", schreibt sein treuester Experte in "H. P. Lovecraft - Leben und Werk" des Weiteren, sie sei eine seiner "[…] Erzählungen, in der er am erfolgreichsten an die überlieferten Muster des Schauerromans anknüpft, wobei er allerdings dessen Standardmotive - das alte Schloss mit der verborgenen Kammer, die Spuklegende, die sich als wahr erweist - weiterentwickelt und modernisiert. Auf die grundlegende Prämisse der Erzählung - dass es möglich ist, den Gang der Evolution rückwärts zu durchschreiten - konnte letztlich nur jemand verfallen, dem die darwinsche Theorie in Fleisch und Blut übergegangen war."

Ratten im Gemäuer der Exham Priory

Delapore lautet der Familienname des Ich-Erzählers, dessen Vornamen wir nicht erfahren. Ein in die Jahre gekommener Amerikaner britischer Abstammung, der sich zu genanntem Datum entschließt, das alte Anwesen seiner Vorfahren, eine Ruine namens Exham Priory, das er viele Jahre hatte aufwendig restaurieren lassen, zu beziehen, um dort seinen Lebensabend zu verbringen.

Die drei ??? und das Gespensterschloss / Robert Arthur

Beginnen wir den Spaß doch gleich von vorne. Denn zur Zeit des Erscheinens der drei Detektive war das eine verdammt gute Serie von Robert Arthur. Neben Miss Marple und Sherlock Holmes sicherlich eine Buchreihe, die nicht gerade wenige Leser zum Krimi gebracht haben.

Drei ??? Das Gespensterschloss Kosmos
Kosmos | Cover: Aiga Rasch

Insgesamt gibt es 43 Originalbücher, die von 1964 bis 1987 erschienen sind, bevor die drei Detektive zu einer rein deutschen Angelegenheit wurden. Allerdings hören die guten Abenteuer ab Band 29 auf und tröpfeln nur noch vor sich hin.

Der erste Gruselkrimi: Larry Brent

Wissenschaftler standen Ende der 60er Jahre hoch im Kurs. Die Counter Culture, die aus Amerika herüberschwappte und ihre Spuren auch in Europa hinterließ, hatte außer Flower Power auch das Interesse am Okkulten mitgebracht. Die Manson-Family machte erste Schlagzeilen und bahnbrechende Horrorfilme wie "Rosemaries Baby" und "Die Nacht der lebenden Toten" eroberten die Kinos. Auch im Heftroman-Sektor war es Zeit für etwas Neues.

Silber-Krimi Nr. 747 vom 27.08.1968

Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus erschien als Silber–Krimi Nr. 747 im damaligen Zauberkreis-Verlag, der 1985 an Pabel verkauft und 1987 seine Pforten für immer schloss, und war in erster Instanz atmosphärisch und lag näher an der Gothic Novel - also am Schauerroman - als am Horror. Jürgen Grasmück alias Dan Shocker hat dann auch einen Begriff geprägt, der den “Horror” im Heftroman genau definiert und den es in keiner anderen Sprache gibt: Grusels; eine genuin deutsche Sprachleistung wie etwa das Wort “unheimlich”, das mit dem englischen “uncanny” zwar eine Annäherung an die Bedeutung des Begriffs erfährt, sie aber nicht präzise abdeckt. Natürlich steckt in der Pluralisierung Grusel – Grusels ein Fehler, der sozusagen bewusst die englische Pluralendung an ein deutsches Wort anhängt (ähnlich wie man das umgangssprachlich etwa bei “Dingens” macht). Eine Mehrzahl von Grusel gibt es nicht, nur der Genitiv (des Grusels) käme also in seiner korrekten Form mit einem “s” daher, ist hier aber natürlich nicht gemeint. Vergessen wir aber nicht, dass bis weit in die 70er Jahre hinein bereits eine merkliche Amerikanisierung der deutschen Sprache stattfand. Ein Mädchen hieß plötzlich “Girl”, das Wohnzimmer wurde “Living Room” genannt, man "steppte" zur Seite und sprang nicht mehr, und so fort.

Der Fluch von Pendle Hill / Oscar de Muriel

Oscar de Muriel führt sein Ermittlerduo Frey & McGray im zweiten Fall (hier gehts zu den "Schatten von Edinburgh") noch tiefer in die Grauzonen zwischen Rationalität und Aberglauben. „Der Fluch von Pendle Hill“ ist zugleich viktorianischer Polizeithriller, Folk-Horror und Milieustudie über Medizin, Macht und Mythen – temporeich erzählt, atmosphärisch dicht und mit spürbarer Lust am Schauerroman, aus dem sich der Kriminalroman ja dann auch herausschälte.

Der Fluch von Pendle Hill
Der Fluch von Pendle Hill

Neujahr 1889: In der Irrenanstalt von Edinburgh gelingt einem Patienten die Flucht, eine Krankenschwester stirbt, und die sture, scharfzüngige Lokallegende „Nine-Nails“ McGray sowie der nüchterne Londoner Exilant Ian Frey nehmen die Verfolgung auf. Der Fall ist von Anfang an von Gerüchten über Okkultes umflort; die Spur führt schließlich über verschneite Landstriche hinweg in den Schatten von Pendle Hill, dem sagenumwobenen Schauplatz der Lancashire-Witchcraft-Prozesse.

Das Schloss der Dämonen / Susanne Wiemer

Als der erste Professor Zamorra am 2.7.1974 in Heftform erschien, wusste noch niemand, dass hinter dem Sammelpseudonym Robert Lamont in Wahrheit Susanne Wiemer steckte, die damit den Grundstein für eine der langlebigsten Heftserien legte, natürlich nicht, ohne dass Helmut Rellergerd, Vater von John Sinclair, sich das Format ausgedacht haben soll. Zwar wird ihm die Erfindung von Zamorra angedichtet, allerdings kann sich weder er noch der Verlag daran erinnern, dass das wirklich so gewesen ist, und so bleibt das bis heute reine Spekulation.

Susanne Wiemer, die später noch eine Handvoll anderer Zamorras schreiben sollte, zeigt hier, dass sie die Hälfte ihrer männlichen Kollegen locker an die Wand zu schreiben vermochte, nicht nur was die Qualität ihrer Sprache betrifft. Nebenbei ist Das Schloß der Dämonen auch noch ein fein komponierter Gruselroman und einer der besten Erstlinge überhaupt. Es war die gute alte Zeit der gemalten Cover; auf der anderen Seite der großen Teiches machte sich gerade ein Mann daran, zur Legende zu werden, indem er mit einem Buch über ein Mädchen mit telekinetischen Kräften debütierte: Carrie; auf der Straße dominierten Mädchen in Miniröcken, kurz: die Welt war noch in Ordnung.

Die Schatten von Edinburgh / Oscar de Muriel

Frey und MacGray Band 1

Der viktorianische Krimi, oder nennen wir ihn die Gothic Mystery, hat mittlerweile eine Vielzahl an Ablegern, so dass man sich wundert, wenn ein neuer Autor für sich beschließt, seine Geschichte ebenfalls in dieser Zeit anzusiedeln. Man fragt sich, ob dieses ganz spezielle historische Setting nicht schon längst überlaufen ist. Meine Antwort darauf ist ein klares Nein, denn auch, wenn es viele Reihen und Romane gibt, die das 19te Jahrhundert aufsuchen, sind wenige davon wirklich herausragend. Es wird wohl kaum möglich sein, die De Quincey-Trilogie von David Morrell vom Thron zu stoßen, aber auch darunter ist noch eine Menge Platz... für Frey und MacGray. (Obwohl ich nach Abschluss der Serie zugeben muss, dass da nur ein Blatt Papier dazwischen passt).

Frey & McGray Fanart von hauntedskeletoncreatorba

Das Interessante an Oscar de Muriel, dem Autor der ausgezeichneten Reihe um Frey und McGray ist, dass er in Mexico City geboren wurde, also in einem Land, das nicht gerade für sein nebelverhangenes Gaslicht bekannt ist. Er kam ins Vereinigte Königreich, um seinen Doktortitel in Chemie zu machen und arbeitete als Übersetzer, um sich in dieser Zeit über Wasser zu halten. Wer jemals in Großbritannien war, der weiß, wie einfach es ist, dort die Idee für einen unheimlichen Krimi zu bekommen. Während London mittlerweile literarisch überlaufen ist, drängen immer mehr Autoren ins schottische Edinburgh. De Muriel hat dann auch nicht gezögert, einen Schotten und einen Engländer als Ermittler einzusetzen, deren Gegensätze von Beginn an das raffinierte Hintergrundrauschen bilden, denn es dürfte allgemein bekannt sein, dass hier nicht gerade wenig Konfliktpotenzial vorhanden ist. Sicher kann man behaupten, dass DeMuriel als Ausländer auf Stereotype und Facetten zurückgreift, die Gemeinplätzen ziemlich nahe kommen, aber so einfach sollte man es sich nicht machen, denn man merkt zu keiner Zeit, dass der Autor kein Brite ist. Das allerdings sage ich natürlich selbst als Nicht-Brite.

Der König in Gelb / Robert Chambers

Die Sammlung seltsamer Jugendstil-Geschichten des amerikanischen Autors Robert W. Chambers blieb nahezu für ein ganzes Jahrhundert ungelesen. Die erste Hälfte des Buches besteht aus vier unheimlichen Geschichten, die, außer der losen Verbindung des Königs in Gelb, nichts miteinander zu tun haben.

Festa-Verlag

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete / Graham Moore

Sherlock Holmes ist ein nimmermüde werdendes Thema, das hat vor einigen Jahren die großartige BBC-Modernisierung hinlänglich bewiesen (gegenwärtig macht auch Alice (aus dem Wunderland) wieder ein paar Fortschritte). Die Zahl der "Leichenfliegen", wie ich jene Autoren nenne, die sich einer Figur annehmen und ihr Schindluder damit treiben, ist Legion. Die können wir - abgesehen von Horowitz, der tatsächlich die legitimen neuen Sherlock-Holmes-Fälle vorgelegt hat, aus unserem Gedächtnis streichen.

Graham Moore freilich geht einen anderen Weg und präsentiert uns Conan Doyle höchstselbst, denn schließlich ist er der Mann, der Sherlock Holmes umgebracht hat. Der Originaltitel lautet The Sherlockian, und ausnahmsweise finde ich hier den deutschen Titel etwas besser geeignet, weil er sprechend ist und wohl kaum einer hierzulande weiß, was ein Sherlockian überhaupt ist. Tatsächlich ist ein Sherlockianer der Protagonist des zweiten Erzählstranges.

Bis in alle Endlichkeit / James Kestrel

2022 gewann der Rechtsanwalt und Schriftsteller Jonathan Moore für seinen Roman "Five Decembers" (Fünf Winter") den Edgar Award. Ja, er gewann auch den deutschen Krimipreis (International), von dem ich aber bis heute nicht weiß, was ich davon zu halten habe. Manchmal benötigt man zwei Leben, um seine literarischen Arbeiten unterzubringen, also haben wir es hier erneut mit James Kestrel zu tun (unter Moore haben wir leider bisher nur "Poison Artist" in Übersetzung vorliegen).

Der Privatdetektiv Leland Crowe lebt undercover in einem heruntergekommenen Hotel in San Franciscos Tenderloin. Eigentlich sammelt er Informationen über einen Kartellzeugen, als er eines Morgens Zeuge eines seltsamen Anblicks wird: Ein stark beschädigter Rolls Royce Wraith steht vor den Refugio Apartments, das Dach zerschmettert von der Leiche einer jungen, blonden Frau im schwarzen Cocktailkleid. Crowe macht ein paar Fotos und verkauft eines an ein Magazin. Die Tote wird als Claire Gravesend identifiziert, Tochter der einflussreichen und gefürchteten Olivia Gravesend. Während die Polizei von Selbstmord ausgeht, glaubt Olivia nicht an diese Erklärung und beauftragt Crowe, die Wahrheit herauszufinden.

Die unerwartete Zeugin / Daniel Weber

Die zweifelhafte Erschaft (Phillipsdorf 1)

Der zweite Band der "Phillipsdorf-Reihe" von Daniel Weber wartet zunächst mit einer angenehmen stilistischen Überraschung auf, dass der Kern des Romans die Untersuchung eines äußerst skurrilen Mordes nachzeichnet. Ohne viel Federlesens beginnt das Abenteuer mit dem Interview eines Geistes, der weiß, was wirklich geschehen ist mit Christoph Biber, der nach dem bestialischen Mord an einer jungen Frau in einer Klinik für geistesgestörte Verbrecher selbst tot aufgefunden wird - erwürgt von seiner eigenen Hand. Der Geist - eine Dame mit dem Namen Leichtfried, meldet sich bei Stefan Hanns, weil ihr Gerechtigkeitssinn sie dazu treibt. Sie weiß zu berichten, dass Biber unschuldig ist. Und tatsächlich wissen wir es am Ende auch, was wir aber im Laufe des Romans erfahren, ist völlig unglaublich. Nun, im Grunde unglaublich, aber schauen Sie sich um, liebe Leser, liebe Leserinnen! Schauen Sie sich um und werden Sie sich gewahr, wo wir uns befinden! In Phillipsdorf, im Bezirk des Wahnsinns!

Die unerwartete Zeugin
Daniel Weber im Blitz-Verlag

Im Laufe der Untersuchungen, die Stefan Hanns mit seinem besten Freund Raphael Kurzhaus führt (der ihm plötzlich ebenfalls wie ein Enigma erscheint aufgrund seiner schon im ersten Band "Die zweifelhafte Erbschaft" überraschenden Qualitäten als Geisterjäger), erfahren wir die unausweichlich auf ein entsetzliches Ende zusteuernde Geschichte des Studenten, der im Alter von 20 Jahren nach Phillipsdorf kam und zum Spielball von Mächten wurde, die er zu keiner Zeit begreifen konnte.

Die okkulte und symbolische Dimension von James Bond

Laut Adam Howard von der National Broadcasting Company ist jeder Bond ein interessanter Spiegel seiner Zeit. So spiegelte Sean Connery zum Beispiel die sanfte Kraft wider, die die Kultur während des Kalten Krieges benötigte. Wer hat schon Angst vor Kommunisten, wenn es so elegante Operateure wie Bond gibt? Nach Watergate war jedoch Roger Moores pingeliger Bond ein großer Gegenpol zur Ernüchterung der damaligen Zeit.

Was Timothy Dalton betrifft, so tauchte sein weniger sexualisierter 007 auf der Leinwand etwa zur gleichen Zeit auf, als Amerika anfing, sich mit der zunehmenden AIDS-Krise auseinanderzusetzen. Und mit seinem Schwerpunkt auf Gadgets und extravaganten Stunts repräsentierte Pierce Brosnan den Tech-Boom der 90er Jahre. Heutzutage hat Daniel Craig uns eine Post-9/11-Version gegeben.

Casino Royale
Der erste Bond

Die Spur des Hexers / Wolfgang Hohlbein

Heute geht es um Wolfgang Hohlbein und seinen Hexer von Salem. Das war eine Roman-Serie, die von 1985 bis 1987 im Bastei-Verlag erschien, vorher aber schon im legendären Gespenster-Krimi startete, auch wenn es dort nur zu sechs Ausgaben kam. Später wurde die Serie im Taschenbuch weitergeführt und zum Schluss wurden 24 überarbeitete Bücher daraus. Hohlbein musste sich in vielen kindischen Kommentaren der Kritik aussetzen, dass er sich ordentlich bei Lovecraft bedient hat. Interessanterweise ist das genau der Sinn der Sache, aber im Gegensatz zu den Vielen, die heutzutage versuchen, wie Lovecraft zu klingen oder sogar Lovecraft zu sein, spinnt Hohlbein eine ganz eigene Variante im kosmischen Horror zusammen, die natürlich auf Unterhaltung abzielt - auf was denn sonst? Ich möchte mir an dieser Stelle die Serie eine Zeitlang anschauen und beginne mit dem Buch Die Spur des Hexers. Hohlbein hat erst 1990 den eigentlichen Beginn seiner Geschichte veröffentlicht. In diesem Prequel treffen wir Robert Craven nur am Rande an, denn er ist dort erst drei Jahre alt. Hauptakteur ist demnach dessen Vater Roderick Andara.

Wolfgang Hohlbein
Wolfgang Hohlbein

Der Name “Andara” ist ein Begriff aus der Welt der Kristalle. Besser gesagt handelt es sich dabei um Lava-Glas, genauer: um einen vulkanischen Obsidian. Gefunden wurden diese Steine im Gebiet der Choctaw-Indianer in Nordkalifornien, die ihnen besondere Heilkräfte nachsagen. Das interessanteste Phänomen der Steine dürfte sein, dass sie ihre Farben verändern können. Der altgermanische Vorname “Roderick” ist ebenfalls gut gewählt. Einige legendäre und historische Persönlichkeiten trugen ihn. Dass Wolfgang Hohlbein sich von dem 1983 erschienenen SciFi-Abenteuer “Roderick” von John Sladek hat inspirieren lassen, ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, gehört das Buch doch zu den 100 besten Romanen der Science-Fiction, und es tauchen, wie in der Folge noch zu sehen ist, nicht wenige bekannte oder verdrehte Namen in der ganzen Geschichte auf (Bella Lugosi ist ein Beispiel; bei Hohlbein ist er eine Sie und seine Gastgeberin in Arkham und natürlich nicht der zukünftige Dracula-Darsteller).

Carmilla, der Vampir

Geschrieben von Albera Anders

Sicher zählt Carmilla nicht zu Le Fanus herausragendsten Werken, denkt man z.B. an Schalken the Painter von 1851. Doch aber diente Carmilla 25 Jahre später als Inspirationsquelle für Bram Stokers epochemachenden Dracula. 

Schauerliteratur

Interessant ist: Le Fanu träumte seinen weiblichen Vampir, dieses Wesen, das er Carmilla nannte. Carmilla alias Millarca alias die Gräfin Mircalla Karnstein, die eine, wie sich später durch ein Familienportrait herausstellt, Vorfahrin von Laura ist. Die, deren Name du nicht wissen darfst. Die ihren Namen anagrammiert statt ihn zu nennen. Die es scheut beim Namen genannt zu werden, wie Dämonen es tun, um nicht gebannt zu werden. Und Laura. Zwei wie Licht und Schatten. Die eine ätherisch in ihrer Erscheinung, die andere irdisch blühend. Zwei, die sich dennoch gleichen. Jung. Unglaublich schön. Sehnend nach Leben.

Laura, die erzählt, von ihrer Begegnung mit Carmilla. Laura, die als "Siegerin" aus der Geschichte hervorgehen wird, ganz ihrem Namen nach. Wenn auch am Ende traumatisiert. Laura, die Besonnene. Die mit ihrem Vater, einem General, und zwei Gouvernanten auf einem Schloss in der Steiermark lebt. Recht einsam. Sich sehnend nach Austausch mit anderen Menschen, da General Spielsdorf, ein Freund ihres Vaters, erst kürzlich in einem Brief absagte der kleinen Familie gemeinsam mit seiner Nichte Bertha einen Besuch abzustatten. Bertha: ein nicht minder schönes Mädchen, das von einem weiblichen Wesen, das sich ihr als Millarca vorstellte, heimgesucht wurde und zum Opfer fiel, wie schon viele andere Mädchen vor ihr. Laura, die ihre Mutter verloren hat als sie noch sehr klein war. Die keine Furcht kennt, da man ihr, auf Geheiß ihres Vaters, keine Geister- und Gruselgeschichten als Kind erzählen durfte. Laura, die uns zu Beginn verrät: 

“Hätte ich mich doch nur gefürchtet! Meine Begegnung mit Carmilla wäre sicherlich anders verlaufen.”

Die zweifelhafte Erbschaft / Daniel Weber

Es gibt Städte, die größer sind als ihre Landkarte. Wien ist eine davon. Unter den barocken Fassaden, den akkurat nummerierten Bezirken, den Grüften und Kaffeehäusern, rumort seit Jahrhunderten ein anderes Wien: ein Wien der Widergänger, der toten Engel, der verdrängten Träume. Daniel Weber hat diesem unsichtbaren Wien einen Namen gegeben: Phillipsdorf, den "verbotenen 24. Bezirk".

Daniel Weber / Die zweifelhafte Erbschaft
Daniel Weber im Blitz-Verlag

Was Weber hier entwirft, ist kein Schauplatz im herkömmlichen Sinn, sondern ein lebender Organismus. Phillipsdorf ist das Übermaß der Stadt, das, was sie nicht aushält. Ein Bezirk, der nur existieren kann, weil er offiziell nicht existiert. Schon in dieser paradoxen Logik liegt sein phantastisches Prinzip: ein Ort zwischen Realismus und Wahn, zwischen Topographie und Mythos. Wo die Gothic Novel noch das Grauen in alten Mauern suchte und die Weird Fiction das Fremde als kosmischen Einbruch verstand, kommt bei Weber das Unheimliche aus der Ordnung selbst, aus Wien, das sich im eigenen Spiegel nicht mehr erkennt.

Die Anfänge der Schauerliteratur

Schauerliteratur

Gleich zu Beginn müssen wir zunächst über eine übersetzungstechnische Definition sprechen. Im Deutschen wird der Ausdruck „Schauerliteratur“ oft als Übersetzung für Gothic Fiction benutzt, auch wenn diese Begriffe nicht hundertprozentig deckungsgleich sind. Für unsere Zwecke soll diese Vereinfachung jedoch genügen.

Aber was genau macht Schauerliteratur aus? Eine klare Definition des Genres ist schwer zu greifen, unabhängig davon, ob wir es Gothic Fiction nennen oder nicht. Dennoch lassen sich einige wiederkehrende Merkmale identifizieren, die typische Schauergeschichten oftmals miteinander verbinden, wobei längst nicht jede dieser Erzählungen all diese Bestandteile aufweist. Ähnlich wie der Begriff „postmodern“, bleibt auch Schauerliteratur ein Konzept, das sich starren Kategorisierungen entzieht und in seiner Bedeutung flexibel bleibt.