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Die unerwartete Zeugin / Daniel Weber

Die zweifelhafte Erschaft (Phillipsdorf 1)

Der zweite Band der "Phillipsdorf-Reihe" von Daniel Weber wartet zunächst mit einer angenehmen stilistischen Überraschung auf, dass der Kern des Romans die Untersuchung eines äußerst skurrilen Mordes nachzeichnet. Ohne viel Federlesens beginnt das Abenteuer mit dem Interview eines Geistes, der weiß, was wirklich geschehen ist mit Christoph Biber, der nach dem bestialischen Mord an einer jungen Frau in einer Klinik für geistesgestörte Verbrecher selbst tot aufgefunden wird - erwürgt von seiner eigenen Hand. Der Geist - eine Dame mit dem Namen Leichtfried, meldet sich bei Stefan Hanns, weil ihr Gerechtigkeitssinn sie dazu treibt. Sie weiß zu berichten, dass Biber unschuldig ist. Und tatsächlich wissen wir es am Ende auch, was wir aber im Laufe des Romans erfahren, ist völlig unglaublich. Nun, im Grunde unglaublich, aber schauen Sie sich um, liebe Leser, liebe Leserinnen! Schauen Sie sich um und werden Sie sich gewahr, wo wir uns befinden! In Phillipsdorf, im Bezirk des Wahnsinns!

Die unerwartete Zeugin
Daniel Weber im Blitz-Verlag

Im Laufe der Untersuchungen, die Stefan Hanns mit seinem besten Freund Raphael Kurzhaus führt (der ihm plötzlich ebenfalls wie ein Enigma erscheint aufgrund seiner schon im ersten Band "Die zweifelhafte Erbschaft" überraschenden Qualitäten als Geisterjäger), erfahren wir die unausweichlich auf ein entsetzliches Ende zusteuernde Geschichte des Studenten, der im Alter von 20 Jahren nach Phillipsdorf kam und zum Spielball von Mächten wurde, die er zu keiner Zeit begreifen konnte.

Die zweifelhafte Erbschaft / Daniel Weber

Es gibt Städte, die größer sind als ihre Landkarte. Wien ist eine davon. Unter den barocken Fassaden, den akkurat nummerierten Bezirken, den Grüften und Kaffeehäusern, rumort seit Jahrhunderten ein anderes Wien: ein Wien der Widergänger, der toten Engel, der verdrängten Träume. Daniel Weber hat diesem unsichtbaren Wien einen Namen gegeben: Phillipsdorf, den "verbotenen 24. Bezirk".

Daniel Weber / Die zweifelhafte Erbschaft
Daniel Weber im Blitz-Verlag

Was Weber hier entwirft, ist kein Schauplatz im herkömmlichen Sinn, sondern ein lebender Organismus. Phillipsdorf ist das Übermaß der Stadt, das, was sie nicht aushält. Ein Bezirk, der nur existieren kann, weil er offiziell nicht existiert. Schon in dieser paradoxen Logik liegt sein phantastisches Prinzip: ein Ort zwischen Realismus und Wahn, zwischen Topographie und Mythos. Wo die Gothic Novel noch das Grauen in alten Mauern suchte und die Weird Fiction das Fremde als kosmischen Einbruch verstand, kommt bei Weber das Unheimliche aus der Ordnung selbst, aus Wien, das sich im eigenen Spiegel nicht mehr erkennt.