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Spider-Man - Die Last der Verantwortung

Spider-Man
Spider-Man

Auch nach über sechzig Jahren macht sich Spider-Man als Außenseiter immer noch recht gut. Man versucht immer wieder, ihn zu verfilmen, und er schafft es irgendwie, sowohl bei Kindern als auch bei seinen langjährigen Fans authentisch zu bleiben. Spidermans anhaltender Erfolg hat allerdings wenig mit seiner Fähigkeit zu tun, Wände hochzukrabbeln, seinen übermenschlichen Kräften oder seinem coolen Kostüm. Die Fans lieben Spiderman, weil er Probleme damit hat, seine Miete zu bezahlen. Er war nicht gerade der beliebteste Kerl in der Schule und hatte auch nicht immer Erfolg bei Mädchen. Comicleser (oder „die wahren Gläubigen“, wie Stan Lee sie nannte) folgen dem Netzschwinger wegen seines menschlichen Alter Egos Peter Parker, der mit den gleichen täglichen Herausforderungen zu kämpfen hat wie sie selbst.

Stan Lee: Der Begründer des Traums

Stan Lee
Stan Lee

Die Bronx und die Geburt eines Namens

Stanley Martin Lieber wurde am 28. Dezember 1922 in New York City als Sohn jüdisch-rumänischer Einwanderer geboren, die sich mit bescheidenen Mitteln in der Bronx ein Leben aufbauten. Nach der Großen Depression fand sein Vater, ein Schneider, kaum noch regelmäßige Arbeit, was die Familie zwang, mehrfach umzuziehen, stets jedoch innerhalb desselben sozialen Milieus. Sie lebten in dicht besiedelten Mietskasernen, begleitet von der allgegenwärtigen Geräuschkulisse der Stadt und dem Bewusstsein, dass gesellschaftlicher Aufstieg zwar möglich, aber keineswegs garantiert war. Inmitten dieses Alltags entwickelte Lieber früh eine Leidenschaft für das Kino, für Literatur, für die Abenteuerfilme von Errol Flynn und für die Vorstellung, dass Geschichten Menschen zumindest kurzzeitig und auf fiktive Weise aus ihrem Alltag entrücken können. Für manche wurde und ist diese Flucht eine lebensnotwendigen Stütze.

Doctor Strange - Hüter der Realität

Doctor Strange von Steve Ditko

Ein Sturz in die Tiefe

Es gibt eine sehr kleine Kategorie von Comicfiguren, bei denen man sagen kann: Ohne eine bestimmte Persönlichkeit hinter dem Zeichentisch wäre die Figur buchstäblich undenkbar. Doctor Strange gehört eindeutig in diese Kategorie, und die Persönlichkeit ist Steve Ditko. Als Stan Lee und Ditko die Figur im Juli 1963 in Strange Tales #110 debütieren ließen, war das Marvel-Universum gerade dabei, sich mit einer Geschwindigkeit zu erfinden, die selbst Beteiligte später kaum fassen konnten. Innerhalb von drei Jahren hatte Jack Kirby die Fantastic Four, Thor und die New Gods mitaufgebaut, während Lee und Ditko den Spider-Man erschufen. Doctor Strange war ganz anders als die anderen. Leise, meditativ, wie ein Kammermusikstück inmitten der lauten Klänge einer Bigband-Ära.

Fanart von Sachi Ediriweera © Marvel

Die Entstehungsgeschichte von Doctor Strange ist dabei so prägend, dass sie zu einem zeitlosen Archetyp wurde. Stephen Strange, ein brillanter, doch zutiefst selbstverliebter Neurochirurg, verliert bei einem Autounfall die Feinmotorik seiner Hände. Das Werkzeug seiner Identität, seiner Überlegenheit, seines Selbstverständnisses, alles war dahin. Was folgt, ist eine düstere Reise durch Verzweiflung, Ablehnung, zerschmetterte Hoffnungen und schließlich der Aufbruch nach Kamar-Taj. Dort begegnet er dem Uralten (Ancient One), der ihn durch einen tiefgreifenden Transformationsprozess führt. Und genau darin liegt die wahre Besonderheit von Doctor Strange. Sein Superhelden-Dasein resultiert aus einer bewussten inneren Wandlung, eines Moments der Kapitulation vor der eigenen Hybris. Strange muss sein Ego aufgeben, die Illusion von Kontrolle loslassen und mit der Erkenntnis leben lernen, dass nicht alles durch rationale Brillanz beherrscht werden kann. In dieser Hinsicht ist Doctor Strange auch ein Sinnbild für eine tiefmenschliche Reise hin zum Verständnis des eigenen Ichs und der Kräfte, die unseren Kosmos prägen.