Hulk - Der Mann, der nicht wütend sein darf

Der Hulk ist keineswegs ein Superheld mit einem Wutproblem. Er ist ein Wutproblem mit einem Superhelden darin, und das macht ihn zur tiefgründigsten Untersuchung männlicher Gewalt, Trauma und Unterdrückung, die das amerikanische Mainstream-Comic je gewagt hat.

Im Mai 1962 erschien die erste Ausgabe von The Incredible Hulk. Schon auf der zweiten Seite tritt Bruce Banner auf: still, blass, gebückt und in einem weißen Laborkittel, der ihn kleiner wirken lässt, als er ist. Dann, wenige Seiten später, nach der Detonation der Gammabombe, erscheint das Andere zum ersten Mal: massig, grau (noch nicht grün – das kam erst ab der zweiten Ausgabe) mit kleinen Augen und einer Art Urwut, die keine Sprache braucht. Die erste Verwandlung ist also bereits eine Auseinandersetzung. Da wird nicht wirklich ein Held geboren. Da geschieht eine Spaltung, die von der ersten Seite an das eigentliche Thema des Comics benennt: Was passiert mit einem Menschen, dem beigebracht wurde, seine Gefühle wegzusperren?

Die Femme fatale - Eine Hauptfigur des Noir

Nebel und Mondlicht, schattige Gassen und Silhouetten - die Welt des Noir ist eine Welt der Intrigen, Geheimnisse und der Spannung. Und die rätselhafte, oft missverstandene Figur der Femme fatale bahnt sich ihren Weg durch diese schattenhaften Geschichten. Diese in Sinnlichkeit und Geheimnis gehüllte Figur ist aus dem Noir-Genre ebenso wenig wegzudenken wie der abgebrühte Detektiv und die kriminellen Straßen der Stadt. Aber was genau ist eine Femme fatale, und warum bleibt ihre Anziehungskraft trotz des Wandels der Zeiten und des Geschmacks ungebrochen?

Frank Miller: Das Evangelium des Schattens

Frank Miller und die Neuerfindung des Comic-Noir als Weltanschauung, Ästhetik und politisches Bekenntnis

Olney und die Herkunft des Instinkts 

Frank Miller wurde 1957 in Olney, Maryland, geboren und wuchs in Montpelier, Vermont auf, beides Orte, die in der Kulturgeographie der amerikanischen Ostküste nicht gerade großen Glanz verströmen und vielleicht gerade deshalb formativ für eine Imagination wurden, die sich zeitlebens zum Abseits, zur Nacht und zur rohen Textur des städtischen Amerika hingezogen fühlte. Miller war kein akademisches Kind; seine Sozialisation verlief über die Seiten billiger Comichefte, über die Kriminalromane von Mickey Spillane und Raymond Chandler, über die Schwarzweißlme der 1940er Jahre, in denen Licht und Schatten moralische Kategorien sind und nicht nur ästhetischen Spielereien. Diese frühen Eindrücke repräsentieren die DNA seines gesamten Werkes. 

Der Werwolf - Die mystische Kreatur

Wenn der Vollmond aufgeht, weiß jeder, dass er in höchster Alarmbereitschaft sein muss. Der Vollmond ist seit langem für die seltsamen Veränderungen im menschlichen Verhalten verantwortlich, wird aber vielleicht am meisten mit der Verwandlung eines besonders furchterregenden Wesens in Verbindung gebracht - dem Werwolf.

Warum wir Geschichten wieder und wieder erzählen

Skakespeare

Im Laufe der Zeit hat die Menschheit immer wieder die gleichen grundlegenden Geschichten erzählt. Von den antiken Mythen bis zum modernen Kino folgen die Erzählungen oft vertrauten Strukturen, wie die Reise des Helden, die Tragödie der Hybris oder der Triumph der Liebe über alle Widrigkeiten. Doch trotz dieser Wiederholungen haben diese Geschichten eine große Anziehungskraft und offenbaren mit jeder neuen Erzählung neue Dimensionen. Dieses Phänomen lässt sich auf drei zentrale Faktoren zurückführen: die Universalität menschlicher Erfahrungen, die Anpassungsfähigkeit von Geschichten an sich verändernde Kontexte und die vielschichtige Komplexität, die dem Erzählen von Geschichten innewohnt.

Karloff the uncanny


Geschrieben von Karin Reddemann

Traumfabrik Hollywood, wir blicken weit zurück: 1931, der Tonfilm steckte (fast) noch in den Kinderschuhen, vielen populären Stummfilmstars hatte er aber bereits das Genick gebrochen. Der große „Rest“ träumte von großen Rollen. Einer von den Träumern, die Ehrgeiz hatten und hofften, war Boris Karloff, gebürtig William Henry Pratt (1887 – 1969), ein noch recht unbekannter britischer Theater- und Filmschauspieler. Ihm wurde eine Rolle angeboten, die sein Leben verändern sollte. Die ihn zur Legende machte.

Supergirl - Das Mädchen, das zuerst da war

Supergirl ist keine Kopie. Sie besitzt die ältere Kosmologie – und wurde trotzdem jahrzehntelang wie eine Fußnote behandelt. Es ist die Geschichte einer Figur, die immer wieder getötet, vergessen und neu erfunden wurde, bis man verstand, was man an ihr hatte.

Woman of tomorrow, DC

Action Comics #252

In der Geschichte von Supergirl gibt es eine kosmologische Pointe, die die meisten Menschen nicht kennen, obwohl sie das Fundament der Figur erschüttert, sobald man sie versteht: Kara Zor-El ist älter als Clark Kent. Nicht älteres Debüt – ältere Figur. Ihre Kapsel verließ Krypton vor der von Superman. Sie hätte zuerst ankommen sollen. Doch ihr Schiff blieb in einer Meteoritenwolke stecken und sie trieb jahrzehntelang im Kälteschlaf, während ihr kleiner Cousin auf der Erde aufwuchs, die Welt rettete und weltberühmt wurde. Als Kara 1959 in Action Comics #252 landete, war sie technisch gesehen die Ältere – und trotzdem die Neue. Die Nachgekommene. Das Mädchen.

Es wäre übertrieben zu behaupten, diese Herkunftsmythologie sei von ihren Schöpfern bewusst als feministische Metapher konzipiert worden. Otto Binder (Autor) und Al Plastino (Zeichner) dachten bei der Schaffung von Supermans weiblichem Gegenstück wahrscheinlich vor allem daran, das Supermann-Universum auszubauen und eine neue Leserschaft anzusprechen. Doch wie so oft in der Comicgeschichte enthält das Material mehr, als seine Schöpfer beabsichtigten. Die kryptonische Ironie – da ist sie, die Ältere, und muss trotzdem von vorne anfangen – ist zu präzise, um nur Zufall zu sein.

Die Ducks nach Carl Barks: Von amerikanischen Erzählungen zum globalen Mythos

Als Carl Barks in den 1940er-Jahren für den Disney-Konzern begann, Geschichten um Donald Duck und seine Verwandtschaft zu schreiben, ahnte niemand, dass hier einer der großen Mythen des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde. Barks arbeitete anonym, ein „namenloser Handwerker“ der Comicindustrie. Und doch nannte ihn die Fankultur später ehrfurchtsvoll „The Good Duck Artist“. Denn er war derjenige, der Donald, Dagobert, Tick, Trick und Track, Daisy, Daniel Düsentrieb, Gundel Gaukeley und die Panzerknacker in eine Welt stellte, die weit über den Rahmen bloßer Kindergeschichten hinausging. Er baute Entenhausen – ein Hybrid aus amerikanischer Kleinstadt und globaler Abenteuerbühne.