Spirou - Der Page im roten Kostüm

Die Figur des Spirou wurde erstmals 1938 von dem Künstler François Robert Velter (besser bekannt unter seinem Pseudonym „Rob-Vel“) gezeichnet. In dem phantasievollen ersten Comic läuft Spirou buchstäblich vom Blatt, als er auf eine Stellenanzeige als Page antwortet. (Im Laufe der Zeit wechselte Spirou den Beruf und wurde Reporter, aber seine kultige rote Pagenuniform legte er nie ab.) Velters Comics über Spirou und sein Eichhörnchen Pips konzentrierten sich im Allgemeinen auf alberne Gags und verzichteten auf ernsthafte Dramen. Sie erwiesen sich als recht populär, und der Verlag Dupuis bekundete Interesse, die Comics herauszugeben. Für die damalige Zeit ungewöhnlich, verkaufte Velter die Rechte an den Figuren, so dass seither andere Geschichten für Spirou schreiben und zeichnen konnten – und es auch taten! Bis heute haben sich mehr als 20 Autoren und Künstler daran versucht. Am bekanntesten sind André Franquin (der den Comic von 1947 bis 1969 führte) und das Team Philippe ‚Tome‘ Vandevelde und Jean-Richard.

Batman - Der dunkle Ritter

Die Geschichte von Batman ist ein moderner Mythos: Der junge Bruce Wayne muss mit ansehen, wie seine Eltern vor seinen Augen ermordet werden. Er wächst mit dem festen Entschluss auf, das Verbrechen zu bekämpfen. Mit zunehmendem Alter erlernt Batman fast alle Kampfkünste, macht sich mit wissenschaftlichen Methoden vertraut, wird Detektiv und bekämpft immer größere Bedrohungen in Gotham City, einer Stadt, die mittlerweile so legendär ist wie der Dunkle Ritter selbst.

© DC Comics

Batman betrat die Comicwelt im Mai 1939 mit Detective Comics Nr. 27, ein Jahr später bekam der dunkle Ritter seine eigene Serie. Offiziell wurde die Figur von Bob Kane geschaffen, der vom Herausgeber Vin Sullivan den Auftrag erhalten hatte, eine neue Figur nach dem Vorbild des legendären Superman von Jerry Siegel und Joe Shuster zu schaffen. Die eigentliche kreative Kraft hinter vielen prägenden Elementen war jedoch ein bis in die 2010er Jahre kaum bekannter Autor: Bill Finger. Während Kane das Grundkonzept - einen maskierten Detektiv - lieferte, war es Finger, der Batman seine ikonischen Merkmale verlieh: die dunkle Kapuze mit den spitzen Ohren, das düstere Cape, das Fehlen von Superkräften, den bürgerlichen Namen Bruce Wayne und die düstere Stadt Gotham als Handlungsort. Auch Batmans tragische Hintergrundgeschichte - der Mord an seinen Eltern in einer Gasse - stammt aus Fingers Feder. Trotz seiner wesentlichen Beiträge wurde Finger zu Lebzeiten nie als Mitschöpfer genannt, da Kane sich vertraglich die alleinige Anerkennung sicherte. Erst 2015, Jahrzehnte nach Fingers Tod, erkannte DC Comics seine Mitautorenschaft öffentlich an. Diese späte Anerkennung ist nicht nur ein kulturhistorisches Lehrstück über das Urheberrecht, sondern spiegelt auch das Thema wider, das Batman selbst durchzieht: die Suche nach Gerechtigkeit in einer Welt, die sie oft verweigert.

Grant Morrison: Popkultur als Philosophie

Herkunft und Kontext

Grant Morrison © Luigi Novi
Nur bei wenigen Comic-Künstlern ist die Verbindung zwischen Biografie und Werk so eng wie bei Grant Morrison. Geboren 1960 in Glasgow und aufgewachsen in der Donnelly Street in Bishopbriggs, einer schottischen Vorstadt geprägt von Arbeiterkultur, wurde Morrisons Fantasie von Beginn an durch ein doppeltes Bewusstsein geformt. Einerseits durch die alltägliche Realität der Industriestädte, andererseits durch die schillernden, kosmischen Welten amerikanischer Superhelden-Comics, die er geradezu verschlang. Dieser innere Gegensatz bildet das Fundament seiner kreativen Weltsicht.

Die britische Comicszene der frühen 1980er-Jahre, in der Morrison seine Fähigkeiten entwickelte, war von einer unvergleichlich pulsierenden Energie erfüllt. Mit dem Magazin 2000 AD als Inspirationsquelle und Alan Moore als dominierender kreativer Figur sah sich eine ganze Generation britischer Talente vor die Herausforderung gestellt, den Weg nach dem Dekonstruktivismus zu finden. Während Moore die Superhelden-Mythologie radikal zerlegte – wie etwa in Watchmen oder The Killing Joke –, nahm Morrison eine vollkommen entgegengesetzte Haltung ein. Er setzte auf eine Art feierliche Neubewertung des Altbekannten.

Tales from the Crypt

Wenn das Grauen spricht

In den knisternden Schatten der amerikanischen Nachkriegszeit, als Fernsehgeräte wie neue Hausaltäre in den Wohnzimmern flimmerten und das Comicregal noch der subversivste Ort eines Kiosks war, erhob sich eine Stimme aus der Gruft. Tales from the Crypt – dieser Name allein ließ Kinderherzen schneller schlagen, Eltern besorgt die Stirn runzeln und Politiker nach dem Zensurstempel greifen. Die Geschichten aus der Gruft waren nicht einfach nur Horrorcomics. Sie waren ein Tor in eine düstere Parallelwelt, in der Moral und das Makabere ein tückisches Tänzchen aufführten.

© EC Comics

Entstanden Anfang der 1950er Jahre bei EC Comics unter der Federführung von William Gaines, war Tales from the Crypt wesentlich mehr als ein simpler Titel. Es war ein Flaggschiff in einer Welle von sogenannten "Horror-Anthologie-Comics", die dem amerikanischen Traum den Sargdeckel zeigten. Die Geschichten – makaber, blutig, oft mit einer ironischen Pointe – wurden von Erzählern wie dem Crypt-Keeper, dem Vault-Keeper und der Old Witch präsentiert, Figuren, die gleichzeitig Gaukler, Richter und Galgenvögel waren.

Es war eine Zeit, in der Comics noch wild und ungezähmt waren. Wo Zeichner wie Jack Davis, Graham Ingels oder Al Feldstein mit spitzem Stift den Albträumen der Leser eine Form gaben. Ihre Panels trieften förmlich vor Atmosphäre – neblige Friedhöfe, schiefe Herrenhäuser, aufgerissene Gräber. Kein Detail war zu morbide, kein Ende zu grausam. Die Erzählungen waren kleine moralische Opern, in denen Ehebrecher, Gierhälse und Betrüger ihr verdientes Ende fanden – meist mit einem schaurigen Grinsen serviert.

Doch je größer die Fangemeinde, desto lauter wurden auch die Stimmen der Gegner. Der Psychiater Fredric Wertham beschuldigte Comics in seinem berüchtigten Buch Seduction of the Innocent (1954), für Jugendkriminalität verantwortlich zu sein. Tales from the Crypt war dabei das Lieblingsfeindbild. Die Bilder seien zu brutal, die Inhalte verderblich. Die öffentliche Empörung mündete in Anhörungen vor dem Senat und schließlich in der Einführung des Comics Code – ein Zensurkodex, der ECs Horrormärchen faktisch das Genick brach. Gaines’ Verlag überlebte nur, weil er auf das harmlose Mad Magazine umsattelte.

Superman - Der Mann aus Stahl

Ein merkwürdiges Schauspiel bot sich auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe von Action Comics im April 1938: Ein seltsam gekleideter Mann mit rotem Umhang hielt ein ganzes Auto über seinen Kopf.

Action Comics #1 © DC Comics
Auf seiner Brust prangte ein rotes “S” auf gelbem Grund. Der Stil mag sich im Laufe der Jahrzehnte geändert haben, aber der Mann aus Stahl wurde immer in den gleichen Farben gezeigt: rot, gelb und blau.

In einer stillen Nacht im Jahr 1933, irgendwo in einem Vorort von Cleveland, saß ein 18-jähriger Junge namens Jerry Siegel schlaflos in seinem Zimmer. Draußen rauschte der Wind durch die Baumwipfel, und das Dröhnen der Großen Depression hing über der Stadt wie ein bleierner Nebel. Drinnen, bei schwachem Licht, tippte Jerry fieberhaft auf seiner Schreibmaschine. Es war keine gewöhnliche Geschichte, die er da schrieb. Es war die Geburt eines Traums – und der Anfang einer Legende.

Ein Mann, stärker als jede Maschine, schneller als jede Kugel. Ein Mann, der fliegen konnte. Der Kammern durchblickte, Berge versetzte und nie aufgab. Superman.

Doch er kam nicht allein zur Welt. Neben Jerry Siegel stand ein schüchterner junger Mann mit Brille, der schlecht sah und besser zeichnete als sprach: Joe Shuster. Gemeinsam formten sie das, was bald das Rückgrat einer ganzen Industrie sein sollte – das Urbild des modernen Superhelden.

Alan Moore: Der Magier aus Northampton

© Frédéric Soltan / Getty Images
Alan Moore als einen zornigen Literaten zu bezeichnen, scheint verlockend einfach. Doch auch wenn sich in seinen Äußerungen immer wieder Spuren von Empörung finden, wird diese Zuschreibung seiner Komplexität kaum gerecht. Geboren am 18. November 1953 in Northampton – als Sohn einer Druckerin und eines Brauerei-Arbeiters – trägt Moore die Eigenheiten seiner Heimatstadt tief in seiner Vorstellungskraft verwurzelt. Northampton, diese unspektakuläre englische Mittelstadt, besitzt eine Geschichte, die gleich Lava unter einer scheinbar ruhigen Oberfläche schwelt. Moore hat sie zum zentralen Bezugspunkt seiner kreativen Mythologie erhoben. Nur wenige einflussreiche Autoren haben ihre Herkunftsorte derart stark in ihrer Arbeit verankert wie Moore: Die viktorianischen Straßenpflaster von From Hell oder die elisabethanischen Geisterstimmen in seinem Prosaroman Voice of the Fire zeugen von dieser Bindung. Für Moore ist Northampton das, was Dublin für James Joyce war: eine Landkarte der Realität. 

Wo liegt Entenhausen?

Es kommt für jeden einmal die Stunde, da er sich die Frage stellt, wo Entenhausen denn eigentlich liegt. Das mag heute weniger zutreffen als früher, als man quasi mit der Micky Maus als Magazin heranwuchs, während man  sich – langsam von der Brust entwöhnt – den ersten Brei einverleiben ließ.

Nun ist die Frage nach dem Wo naturgemäß nicht so leicht zu beantworten, was man allein daran erkennen kann, dass es darüber unterschiedliche Meinungen gibt. Über eine Stadt wie München muss man nicht diskutieren, sie verändert ihren Standort nicht.

Verändert denn Entenhausen seinen Standort?

Eine italienische Postkarte von 1963, die durchaus etwas von Entenhausen an sich hat

Ein Medium im Aufstieg

Comics verfügen seit jeher über spezifische Vorteile gegenüber anderen Medienformen – etwa ihre jahrhundertealte Tradition sowie ihre beinahe universelle Verbreitung. Die Annahme, dass Comics das kommende Jahrhundert dominieren könnten, lässt sich nur dann angemessen verstehen, wenn man anerkennt, dass sie bereits in früheren Jahrhunderten eine bedeutende Rolle gespielt haben – insbesondere in jenen Epochen, die vor der weitverbreiteten Alphabetisierung lagen. Bildhafte Ausdrucksformen wie Glasfenster, Mosaike, politische Karikaturen oder Graffiti lassen sich ebenso der Welt der Comics zurechnen wie heutige digitale Phänomene, etwa Memes oder animierte GIFs in sozialen Netzwerken. Auch wenn diese Artefakte nicht immer auf Originalzeichnungen basieren oder sich strikt sequentiell entfalten, eint sie doch die grundsätzliche Verbindung von Bild und Text – jene radikale Fusion, die das Medium Comic im Kern definiert. In diesem weiten Sinne sind Comics eine universelle kulturelle Ausdrucksform, die in nahezu allen Gesellschaften zu finden ist – historisch wie gegenwärtig. Selbst im hypothetischen Fall des Verschwindens anderer Medienformen würden Comics fortbestehen – als widerständiges und zugleich flexibles künstlerisches Ausdrucksmittel.

Comic-Bibliothek von Michael Studt

Absolute Batman

 „Was bleibt vom Ritter, wenn man ihm das Schloss wegnimmt?“


© DC
Es gibt eine Frage, die jeden Batman-Autor irgendwann einholt, ob er will oder nicht: Ist Bruce Wayne überhaupt interessant, wenn man ihm seine Milliarden wegnimmt? Die meisten weichen dieser Frage aus. Scott Snyder hat sie im Oktober 2024 frontal beantwortet, und die Antwort hat den Comicmarkt erschüttert wie seit Jahren nichts mehr, das aus den beiden großen Häusern DC und Marvel kam.

Absolute Batman ist (wie alles im gegenwärtig laufenden Absolute Universe) ein Gedankenexperiment. Gleich die erste Ausgabe 2024 wurde zum erfolgreichsten Comic des Jahres. Niemand hatte das auch nur annähernd erwartet. Scott Snyders machte sich vor dem Start sogar sorgen, dass nicht einmal die Mindestanforderung erfüllt werden könnte, um die Serie überhaupt am Laufen zu halten. Kurz gesagt: Das Ding ist eingeschlagen wie eine Bombe, die niemand kommen sah.

Moon Knight - Die Faust des Mondgottes

© Marvel
Die von Doug Moench und Don Perlin erschaffene Figur des ehemaligen CIA-Agenten Marc Spector erschien erstmals im August 1975 in der Ausgabe 32 der Serie "Werewolf by Night", wo er von einer Gruppe korrupter Geschäftsleute aus Los Angeles, die sich das "Comitee" nennen, und die aus irgendeinem Grund die Kontrolle über einen Werwolf übernehmen wollen, als Söldner Moon Knight angeheuert wurde, um den titelgebenden Werwolf alias Jack Russel zur Strecke zu bringen.

Auf jeden Fall fühlte sich Moon Knight nach der Gefangennahme von Jack und dem Erhalt des Kopfgeldes von 10.000 Dollar mies, weil ihm klar wurde, dass er im Grunde nur einen Menschen an ein paar böse Jungs verkauft hatte, also wandte er sich gegen das Comitee und befreite den Werwolf…

Die Verkäufe dieser ersten Auftritte müssen ziemlich gut gewesen sein, denn Marvel brachte Moon Knight für einige Gastauftritten in anderen Serien zurück. Dann bekam er eine Nebenrolle im großformatigen Magazin des Hulk. Schließlich war Moon Knight bereit für seinen wahren Auftritt. 1980 erhielt er seine erste fortlaufende Moon Knight-Soloserie, und seither ist ein fester Bestandteil des Marvel-Universums geblieben.

Flash Gordon - Dreigroschen im Weltraum

Flash Gordon war nicht der erste große Science-Fiction-Held (John Carter und Buck Rogers kamen ihm zuvor), aber er war der erste, der ein multimediales Franchise hervorbrachte. Er erschien 1936 in den Kinos und inspirierte den Großteil des Genres, an dessen Spitze heute Star Wars steht.

© Al Williamson

Anfang der 1930er Jahre wollte King Features Syndicate einen Science-Fiction-Comic veröffentlichen, der mit dem wilden und beliebten Buck Rogers konkurrieren konnte. Einer ihrer Mitarbeiter, Alex Raymond, erhielt den Auftrag und entwickelte Flash Gordon, der 1934 erstmals in Zeitungen erschien. Wie Buck Rogers war auch Flash Gordon ein irdischer Actionheld, doch anstatt wie sein Vorgänger in die Zukunft geschleudert zu werden, reist Flash mit einer selbstgebauten Rakete zum bösen Planeten des Mongo, der die Erde bedroht.