Hierzulande hat die Veröffentlichungspolitik dieser über alle Maßen erfolgreichen Bücher leider einen unglücklichen Weg genommen, der nun aber beendet zu sein scheint. Die ersten Bände erschienen noch bei Knaur, bevor der Verlag das Interesse verlor und Harry zu Feder & Schwert wechselte. Wäre der Verlag nicht in Konkurs gegangen, hätte er es fast geschafft, alle 17 Bände zu veröffentlichen.
Jim Butcher: Sturmnacht (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1)
Joe Abercrombies Klingen-Trilogie
Abercrombie betrat die Bühne im Jahre 2006 als ein junger Filmeditor, der sich der Schreiberei zuwandte. Sein erstes Manuskript, "The Blade itself", wurde vom britischen Verlag Victor Gollacz Ltd. gekauft. Interessanterweise erschien die deutsche Ausgabe bei Heyne im selben Jahr, während der Roman in den USA erst 2008 herausgegeben wurde (da hatte Abercrombie seine Trilogie mit "Before They Are Hanged" und "Last Argument of Kings" bereits abgeschlossen). Das ist deshalb gesondert hervorzuheben, weil Abercrombie, wie wir gleich sehen werden, zu einer günstigen Zeit ins Feld schoss.
2003 hat R. Scott Bakker sein "The Darkness that Comes Before" veröffentlicht, epische Fantasy mit einer extremen Überbetonung der schmutzigen Seite des Geschichtenerzählens. Manche nannten das mutig. Zu der Zeit, als Abercrombie seine Romane begann, schien sich gerade ein neues Subgenre herauszubilden – Grimdark (wörtlich sowas wie “trostlosdunkel”). Es ist fast unmöglich, Grimdark sinnvoll zu definieren. Manche nennen es einfach Realismus.
The Stranger Times (C. K. McDonnel)
"The Stranger Times" stellt uns eine Reihe von Charakteren in einer wunderbaren Mischung von Persönlichkeiten vor, die von exzentrisch bis schlichtweg ungehobelt reichen und alles dazwischen. Die Stranger Times ist eine Zeitung für das Seltsame und Wunderliche in Manchester und wird von dem völlig heruntergekommenen Alkoholiker Vincent Banecroft geleitet, einem ehemals recht erfolgreichen Chefredakteur eines angesehenen Nachrichtenmagazins. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Nach dem Verlust seiner Frau geriet Vincents Leben in eine Abwärtsspirale. Er verlor jeglichen Respekt vor sich selbst und anderen und legt seitdem die Whiskyflasche nicht mehr aus der Hand.
100 Jahre Hercule Poirot – Das fehlende Glied in der Kette
Obwohl er möglicherweise nach Sherlock Holmes der zweitberühmteste Detektiv der britischen Kultur ist, ist Poirot gar kein Brite, sondern ein Flüchtling. Er kam als Teil einer Gruppe von Belgiern, die durch den Ersten Weltkrieg vertrieben worden waren, nach England, doch seine Wiege liegt in Brüssel. Indem sie über diesen pensionierten belgischen Polizisten schrieb, der Fälle in ganz Großbritannien und auf der ganzen Welt löste, konnte Christie die Komplexität des Englischen und seine Beziehung zu Kontinentaleuropa erforschen (und sich manchmal auch darüber lustig machen).
Das Haus in der Half Moon Street (Alex Reeve)
Leo Stanhope ist der neueste Serienheld aus der Feder von Alex Reeve, und Das Haus in der Half Moon Street ist der erste Band einer viktorianischen Krimiserie aus dem Jahre 2018, die bei Knaur erschienen ist.
Der zweite Band wird im April 2022 erscheinen, was mich ungemein freut, weil so etwas ja immer auch am Publikum liegt. Der Autor hat es sich nämlich nicht ganz einfach gemacht.
Vielmehr hat er von Beginn an gewusst, dass er mit seinem außergewöhnlichen Helden in ein Wespennest stechen könnte und zum Teil ja auch hat. Das war auch der Grund, warum er im Anhang noch einmal auf seine Absicht hinweisen wollte und dem Leser erklärt, was ihn an der Sache reizte und wie sich Leo schließlich aufdrängte, obwohl Reeve immer wieder mit dem Gedanken spielte, ihn nur am Rande zu beachten.
Der Roman spielt im viktorianischen England um 1880 und fällt schon allein aus diesem Grund in meinen gesteigerten Aufmerksamkeitsbereich, aber auch ich war relativ überrascht, dass hier einige der bekanntesten Tropen des Genres ausgehebelt wurden, ohne die notwendige Atmosphäre in irgendeiner Form anzutasten.
Der Uhrmacher in der Filigree Street (Natasha Pulley)
Natasha Pulleys Debüt "The Watchmaker of Filigree Street" erschien bereits im Jahre 2015. Damit gewann die Autorin einen Betty Trask Award, der für Erstlingsromane von Autoren unter 35 Jahren vergeben wird, die in einem derzeitigen oder ehemaligen Commonwealth-Staat ansässig sind.
Mittlerweile hat sie bereits zwei weitere Romane veröffentlicht - und darunter befindet sich auch ein Sequel zu ihrem vorliegenden Uhrmacher. Ich kann mir gut vorstellen, dass zumindest die Fortsetzung gute Chancen auf eine Übersetzung hat.
Darth Vader (Der beliebte Massenmörder)
Als Darth Vader 1977 in den ursprünglichen Star Wars-Filmen vorgestellt wurde, war er ohne Einschränkungen eine erschreckende Figur. George Lucas gab uns ein Porträt des Bösen in groben, leicht verständlichen Umrissen. Die tiefe, dröhnende Stimme, die schädelartige schwarze Maske und das Cape: Vader war die Art von Charakter, der keine Skrupel hatte, jemandem mit den Händen die Kehle einzudrücken, und das waren nur die ersten 15 Minuten des Films. Er war die Blaupause des Bösen, der sich Luke Skywalker auf seiner Heldenreise stellen musste, so knallhart, dass er anfangs nicht einmal eine große Hintergrundgeschichte benötigte. Als in “Das Imperium schlägt zurück” bekannt wurde, dass er Lukes Vater ist, hatte er die Rebellion bereits physisch und emotional lahmgelegt. Seine Rehabilitation in “Die Rückkehr der Jedi-Ritter” war der reinste Ausdruck der zugrundeliegenden Aussage des Star Wars-Universums, dass letztlich das Gute über das Böse siegen wird.
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| Credit: Gillen Larroca |
Die inkonsequente Darstellung Darth Vaders
Die ganze Charakterisierung wurde durch die Prequel-Trilogie untergraben, die Anakin Skywalker als einen weinerlichen, launischen Jungen darstellte. Jeder Hinweis auf den unheiligen Terror, den Lord Vader symbolisierte, wurde durch eine Kombination aus schlechter Charakterisierung, schlechter Regie und schlechtem Schauspiel rückgängig gemacht.
Die stillen Gefährten (Laura Purcell)
Laura Purcell ist eine dieser Anhängerinnen Jane Austens. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass es jene gibt, die Jane Austen nur von den höflichen Komödienadaptionen im TV kennen, dadurch aber gerne ausblenden, dass es durchaus eine Seite an Austen gibt, die der Gothic Novel zugerechnet werden kann. Da scheint es fast schon selbstverständlich, dass moderne Autorinnen, die eine düstere Thematik bedienen, hier neben Daphne du Maurier ihren Markstein finden. Namentlich: Northhanger Abbey, das exemplarisch für die schiere Brandbreite der Schauerliteratur steht. Sie kann eine Satire mit Happy End sein, ein Abenteuer, das der Weird Fiction nahe steht, oder einfach nur Horror.
Genre ist kein schmutziges Wort
Geschrieben von Nicola Alter
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| Nicola ist Schriftstellerin und begeisterte Leserin von Fantasy und Science Fiction. Sie stammt aus Australien, hat einen Teil ihrer Kindheit in Indien verbracht und lebt nun in Deutschland. |
"Ach, ich schreibe einfach, was ich schreibe, und jemand ordnet es später einem Genre zu, ich denke nicht darüber nach, in welchem Genre ich schreiben will".








