Mörderische Musen

Wer liebt nicht eine wahre Geschichte? Sie wecken eine besondere Faszination, die uns hinterher zu Wikipedia rennen lässt, um die Fakten von der Ausschmückung zu unterscheiden. Und dann gibt es noch die Geschichten dazwischen, die scheinbar zu real sind, um erfunden zu sein, und doch als Fiktion dargestellt werden. Es mag Sie überraschen zu erfahren, dass einige der berühmtesten Werke der Literatur und des Films ihre Inspiration aus beunruhigend realen Ereignissen bezogen haben.

Die 5 beliebtesten Bibliothekare der Fantasy

Ob Fahrenheit 451 oder Der Name der Rose – eine Bibliothek spielt in der Literatur selbstverständlich immer  eine große Rolle. Interessanterweise gibt es in einer Zeit, da man für jedes Setting auch einen eigenen Genrebegriff parat hat, keinen, der sich Library Fiction oder Library Fantasy nennt. Aber den sollte es durchaus geben.

Zugegeben, meist dominiert in Geschichten über Bücher und Bibliotheken vorrangig ein anderes Genre wie etwa die Urban Fantasy oder schlicht der Thriller. Bibliotheken sind also Genreübergreifend. Ihr Stellenwert und ihr Einsatz unterscheidet sich am Ende wohl doch zu sehr voneinander, um daraus ein eigenes Genre zu schmieden.

Das Gelächter des Teufels

Geschrieben von Daniel David Froid 

Daniel ist Wissenschaftler,
Pädagoge und Autor von
seltsamen Geschichten.
Wenn es den Teufel wirklich gibt, dann lauert er weder in dunklen Ecken, noch lauert er den Unvorsichtigen auf, noch heckt er unvorstellbar böse Pläne aus. Wenn es den Teufel wirklich gibt, dann lacht er. Er bietet ein pikantes Geheimnis an und wartet nicht darauf, ob Sie in Versuchung geraten, sondern will wissen wie sehr. Er will sehen, ob dies die eine Versuchung ist, die sich schließlich als unwiderstehlich erweist. Was auch immer nötig ist, damit Sie der Versuchung nachgeben, was auch immer den Wendepunkt markiert - das ist der Teufel.

"Locked Room" oder das unmögliche Verbrechen

Geschrieben von Gigi Pandian

Gigi Pandian ist eine amerikanische
Bestsellerautorin, deren Bücher bisher nicht
in deutscher Sprache erschienen sind.
Traditionelle Rätselkrimis gewinnen in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit. Zusätzlich zu den anderen wunderbaren literarischen Elementen in einem Buch oder einer Kurzgeschichte weiß der Leser, dass er auch ein raffiniert ausgeklügeltes Rätsel zu lösen hat.

Bei so vielen neuen Lesern, die sich für das Genre erwärmen, ist mir eine gewisse Verwirrung bezüglich der Begriffe aufgefallen, mit denen diese Krimis beschrieben werden. Die meisten Krimileser kennen den Begriff "Locked Room Mystery", aber was genau bedeutet er?

Das Rätsel des geschlossenen Kreises. Eine kleine Anzahl von Menschen wird aus unterschiedlichen Gründen  isoliert, dann geschieht ein Verbrechen in ihrer Mitte. Es gibt keine Möglichkeit, die Gesellschaft zu verlassen oder gerettet zu werden, so dass ein beklemmendes Gefühl entsteht, weil die Personen wissen, dass jemand in ihrer Mitte ein Mörder ist.

Der Tod der Mrs Westaway (Ruth Ware)

Die britische Autorin Ruth Ware befindet sich in guter Gesellschaft. Ihre Mystery- und Thriller-Romane wurden schon mit Krimiautorinnen des Goldenen Zeitalters wie Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers verglichen. Ihre früheren Romane - Woman in Cabin 10, In einem dunklen, dunklen Wald und Wie tief ist deine Schuld - basieren auf klassischen Krimimustern und handeln von Frauen, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden.

Dieses Konzept hat sie im vorliegenden Roman verändert. Hier schreibt sie über eine Protagonistin, die sich absichtlich in eine trügerische Situation begibt. Es geht um Geld und es geht um eine sehr seltsame Erbschaft.

Der Club Dumas (Arturo Pérez-Reverte)

Zu Beginn lässt sich sagen, dass – Polanski in allen Ehren – der Film “Die neun Pforten” aus dem Jahre 1999 das Buch ziemlich zerstört hat. Meistens ist es so, dass Filme einem guten Buch nichts anhaben können, hier ist es anders. Als der “Club Dumas” 1993 erschien, hat ihn – in Deutschland – niemand wirklich gelesen. Es gibt dann immer diejenigen, die durch den Film auf das Buch aufmerksam werden, was den Verlagen natürlich in die Karten spielt. Das Problem bei einem handlungsgetriebenen Plot: man kennt die Stationen schon und bringt sich um das Lesevergnügen. Natürlich lässt der Roman einige Dinge anders ablaufen und vertieft sie. Polanski hat ziemlich viel weggestrichen und geändert, so dass sich das Buch dennoch lohnt, aber der Film ist nicht das einzige Problem des Romans. Man hat ihn schon als “Umberto Eco Light” bezeichnet, und das ist gar nicht so weit hergeholt. Um die Jahrtausendwende wurden Verschwörungs-Thriller populär, obwohl Eco sein “Foucaultsches Pendel” bereits 1988 vorlegte. Auch den “Club Dumas” hat man versucht, als “literarischen” Thriller zu vermarkten, aber gegen Ecos Arbeiten wirkt das fast wie ein Witz. Am besten, man lässt die Vergleiche und schaut sich an, worum es geht.

Blutiges Echo (Joe R. Lansdale)

Joe R. Lansdale braucht wahrscheinlich keine allzu große Einführung. Er hat eine Menge Preise gewonnen (u.a. sechsmal den Bram Stoker Award) und lieferte die Vorlage für den Kultfilmklassiker Bubba Ho-Tep. Vorliegender Roman stammt von 2007 und lautet im Original "Lost Echos", erschien 2013 in Übersetzung bei Golkonda und 2015 - man höre und staune - im Suhrkamp-Verlag. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass ich mit der Übersetzung des Titels wieder einmal nicht einverstanden bin, und das keineswegs, weil ich eine originalgetreue Übersetzung um jeden Preis fordere. Wenn aber der Titel - eigentlich "verlorene" oder "vergessene" Echos - ganz präzise das wiedergibt, was im Buch geschieht, und von Verlagsseite nur auf die Knalligkeit Wert gelegt wird, erregt das meinen Unmut.

Das Prinzip der Zwillinge in Kai Meyers "Das zweite Gesicht"

Heute schaue ich mir einen der besten und erfolgreichsten Erzähler der deutschsprachigen Phantastik etwas näher an, zumindest eines seiner Bücher. Die Rede ist von Kai Meyer und seinem Roman "Das zweite Gesicht", das ursprünglich 2002 bei Heyne erschien und im Blitz-Verlag 2012 als schön gestaltetes Hardcover neu aufgelegt wurde und als solches leider längst schon wieder vergriffen ist. Das mag auch daran liegen, weil die Neuauflage im selben Jahr den Vincent Preis für den besten Horrorroman gewonnen hat, obwohl es sich gar nicht um einen Horroroman handelt, aber es sei jedem selbst überlassen, das zu beurteilen.

Besonders stark ist Kai Meyer immer dann, wenn er historisch wird und seine Fabulierlust mit geschichtlichen Ereignissen verquicken kann. So ein Buch haben wir hier vor uns.

Die Jahrhundertwende als künstlerischer Ausdruck

Die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert war aus künstlerischer Sicht eine der fruchtbarsten und interessantesten überhaupt, und eine der letzten Keimquellen der deutschen Phantastik. Motive der Spätromantik wurden hier mit modernen Facetten versehen und ein roter Faden dieser literarischen Entwicklung war eindeutig zu erkennen.

The Outsider (Stephen King)

Stephen King ist nicht der erste Schriftsteller, der ein Buch Namens "The Outsider" geschrieben hat. Bevor wir das akzeptieren, müssen wir uns leider wieder einmal über die schlechte Übersetzungsqualität des Heyne-Verlags unterhalten. Es wäre einfach gewesen, den Titel im Original zu belassen, stattdessen zeigt man, dass man mit Sprache nun wirklich nicht mehr umgehen kann. Da wird dann aus "The Outsider" "Der Outsider", und jedem Leser, der noch ein bisschen was von Grammatik hält, dreht sich der Magen um. Die Idealform wäre "Der Außenseiter" oder sogar "Der Fremde" gewesen. Nun, nicht nur ideal, sondern RICHTIG. Auf die vielen Übersetzungsfehler im Roman gehe ich jetzt gar nicht ein.

Best served cold (Joe Abercrpmbie)

Tatsächlich gab es schon lange keine Fantasy-Verfilmung mehr, die man in irgendeiner Form loben könnte. Das Genre befindet sich auch literarisch in einer furchtbaren Verfassung, aber die anstehende - und erste Verfilmung - einer First-Law-Geschichte, lässt Fans des Genres dann doch aufhorchen. Und dass es sich dabei um den famosen Racheepos handelt, zeigt, dass jemand wohl weiß, was er da tut. Aber schauen wir uns heute lieber erst einmal an, was das für ein Buch ist.

Harry Potter als Horrorthriller

Die Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling hat die Fantasy-Welt im Sturm erobert. Die Bücher haben Leser aller Altersgruppen in ihren Bann gezogen, die sich einig sind, dass es sich um eine Fantasy-Serie handelt. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass Harry Potter eigentlich mehr Horror als Fantasy ist.

Natürlich gibt es viele Fantasy-Elemente in der Serie, wie Zauberer, Drachen und magische Gegenstände, aber es gibt auch viele Horror-Elemente, die die Serie zu einer spannenden und gruseligen Geschichte machen.

Später (Stephen King)

"Später" ist mittlerweile der dritte Roman, den Stephen King für den Spezial-Verlag Hard Case Crime geschrieben hat. Dieser Verlag lässt den Stil der Pulp-Taschenbücher der 40er und 50er Jahre erneut aufleben und ist im Grunde spezialisiert auf Hardboiled-Krimis, die zu dieser Zeit hoch im Kurs standen, hat sich also zur Aufgabe gemacht, die Lebendigkeit, die Spannung und den Nervenkitzel des goldenen Zeitalters der Taschenbücher wiederzubeleben.

Es versteht sich von selbst, dass die dort erscheinenden Bücher ein phantastisches Coverartwork haben, bei uns ist davon natürlich nichts zu sehen.

Tatsächlich handelt es sich um einen Kriminalroman, aber mit übernatürlichem Einschlag.

Kings Werk hat nicht nur die zeitgenössische Literatur, sondern auch die Populärkultur nachhaltig geprägt; es kann gar nicht oft genug wiederholt werden, wie sehr King die Literatur als Ganzes verändert hat. Seine Leistung hat er also mehr als erbracht, und es scheint so, als befände er sich gegenwärtig im Stadium der Kür. Es wäre erstaunlich, hätte King nicht ebenfalls seinen Beitrag zur amerikanischen Kriminalliteratur geleistet, eben jener Hardboiled-Strömung, die als "hart" und "unsentimental" beschrieben werden kann. Kombiniert man King mit dieser Strömung, so erhält man die Geschichte von "Später", die zu gleichen Teilen Krimi wie übernatürlicher Horror ist.

David H. Keller

Nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichten Amerikas Pulp-Magazine zunehmend Science-Fiction neben den üblichen Genres Western, Fantasy und Horror. Redakteure waren auf der Suche nach neuen Autoren in diesem aufstrebenden Segment, und Ende der 1920er Jahre "gab es nur einige wenige Autoren, die in der Lage waren, hochwertige Science-Fiction zu produzieren", schreibt der britische Literaturhistoriker Mike Ashley. "Die besten in diesen frühen Jahren waren Miles J. Breuer und David H. Keller, beide faszinierend, Ärzte." Beide Autoren verbrachten auch den Ersten Weltkrieg im Army Medical Corps; während seines Dienstes half David H. Keller (ein Neuropsychiater) bei der Behandlung von Granatenschockopfern.

Keller schrieb sechs Jahrzehnte lang Romane, während er in seinen verschiedenen medizinischen Berufen arbeitete: als Arzt oder Leiter in psychiatrischen Einrichtungen in Pennsylvania, Illinois, Louisiana und Tennessee, während des Militärdienstes in beiden Weltkriegen. Seine Karriere als Schriftsteller begann früh. 1895, im Alter von fünfzehn Jahren, veröffentlichte er eine Geschichte in einer lokalen Zeitschrift; während des Studiums reichte er ein Dutzend Geschichten und Gedichte bei einer kleine Literaturzeitschrift ein. Doch in den folgenden drei Jahrzehnten schreib er fast ausschließlich für sich selbst. Von seiner Frau angeregt, begann er Ende der 1920er Jahre, seine Geschichten zu verschicken und stellte fest, dass der Markt seinen persönlichen Geschmack endlich eingeholt hatte; seine erste Einreichung bei einer nationalen Zeitschrift wurde sofort angenommen und erschien als "The Revolt of the Pedestrian" in der Februarausgabe 1928 der kürzlich gegründeten Amazing Stories. Daher ist es fast unmöglich, Kellers Werk mit Genauigkeit zu datieren; viele seiner Stücke waren Jahre oder sogar Jahrzehnte früher entstanden. Darüber hinaus ist viel von seiner Arbeit verschwunden, weil er dafür bekannt war, Geschichten (kostenlos) an Fanzines, Amateurmagazine und obskure Zeitschriften zu schicken. Jedenfalls erlaubte ihm seine neue Karriere, eine kleine Privatpraxis als Psychiater zu gründen, was ihm genügend Stunden am Tag ließ, um ein "Vollzeit"-Autor zu sein.

Der dunkle Fremde (W.H. Pugmire)

Vor einigen Jahren fragte ich Wilum "Hopfrog" Pugmire per Mail, ob ich einige seiner Geschichten übersetzen dürfe und er antwortete, dass ich gerne alles von ihm übersetzen dürfe, was ich wolle. Gerne hätte er ein Büchlein seiner Geschichten in deutscher Sprache, von der er schwärmte, weil seine Vorfahren aus Deutschland gekommen waren. Allerdings, teilte er mir mit, seien bereits Freunde von ihm damit beschäftigt, ein Buch mit Übersetzungen auf den Weg zu bringen. Heute weiß ich, dass zumindest einer dieser Freunde Eric Hantsch war. Trotzdem gehörte ich zu Pugmires ersten Übersetzern, lange bevor "Der dunkle Fremde" im Blitz-Verlag erschien, ein schön aufgemachtes klassisches Taschenbuch mit einem Titelbild von Björn Craig, übersetzt von Dr. Frank Roßnagel.

Waffenschwestern (Mark Lawrence)

In manchen Genres neigen Leser dazu, den sogenannten "Hollywood-Pitch" anzuwenden, bei dem ein Werk mit anderen berühmten Werken verglichen wird, die sich in gewisser Weise ähneln. Bei Mark Lawrence und dem Auftakt seiner dritten Trilogie mit dem Titel "Buch der Ahnen" treffen wir auf die mittlerweile sehr bekannten Zutaten der Akademie, in der hier junge Nonnen unter anderem zu mörderischen Assassininnen ausgebildet werden und einer brutalen Winterwelt, die sich seit Martins "Lied von Eis und Feuer" etabliert hat.

Die Handlung ist fast schon akademisch, denn die Geschichte von Nona ist weniger eine Richtungsgeschichte als vielmehr eine Geschichte im Stil von Rip Van Winkle von A nach B, in der sich die "Handlung" nur wenig bewegt, während sie und die anderen Figuren mit sorgfältiger und langsamer Handwerkskunst geformt werden und wachsen. Ich würde es eher als eine von den Charakteren gesteuerte Erzählung bezeichnen, denn als eine von der Handlung. Es beginnt mit einem ausgezeichneten Aufhänger im ersten Absatz des Prologs (der einen Kampf zwischen 1 und Hunderten einleitet) und dem ersten richtigen Kapitel, in dem wir Nona am Ende ihrer Kräfte treffen. Lawrence versteht es meisterhaft, durch subtile Einschübe bewusster Gedanken, durch winzige Details wie Schmerzen und Juckreiz und durch Hell-Dunkel-Kontraste Spannung aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen. Vor allem aber versteht er es, ein großes emotionales Drama zu erzeugen, indem er über Dutzende von Seiten hinweg Dutzende von wichtigen Puzzleteilen aneinanderreiht.

Dashiell Hammett


Dashiell Hammett lebte zwischen 1894 und 1961 und gilt allgemein als Pionier des Hardboiled-Krimis als literarische Form. Er schrieb eine Handvoll Romane, die die Aufmerksamkeit ernsthafter Leser auf sich zogen, und war ein früher amerikanischer Vertreter der literarischen Moderne und des literarischen Existenzialismus. Und doch wird er als Autor immer noch unterschätzt.