Unheimliche Gesellschaft (Carlos Fuentes)

Als einer der grundlegenden Autoren des "Booms" hat der Mexikaner Carlos Fuentes in seinen wichtigsten Romanen - "Nichts als das Leben" (1962), "Terra Nostra" (1975), "Die Jahre mit Laura Diaz" (1999) u.a. - eine interessante Reflexion über die kulturelle Vielfalt und Geschichte seines Landes angestellt. Gleichzeitig hat Fuentes, wie jeder Autor von Rang, mit Erzählungen wie jenen, die in seinem ersten Buch "Verhüllte Tage" (1954) dargeboten werden, den Kurzromanen "Aura" (1962) und "Das gläserne Siegel" (2001), die Phantastik in seine Erzählungen einfließen lassen.

In diesem Sinne ist "Unheimliche Gesellschaft" (2004) eine Sammlung von Rätsel- und Horrorgeschichten, ein Band mit sechs Geschichten und einer Schlüsselfrage: "Ist Leben diese kurze Spanne, dieses Nichts zwischen Wiege und Grab?"

Die Vampirin vom Amazonas

Habt ihr schon einmal von Marie Camille Monfort gehört?

Im Juni 2023 tauchten in den sozialen Netzwerken Bilder einer angeblichen lyrischen Sängerin auf, die Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hatte, aus Frankreich eingewandert war und sich in der brasilianischen Stadt Belém do Pará niedergelassen hatte.

Die Geschichte für diejenigen, die sie nicht gelesen haben, lautet wie folgt:

CAMILLE MONFORT, DIE VAMPIRIN DES AMAZONAS


Im Jahr 1896 erlebte Belém durch den weltweiten Kautschukhandel einen Aufschwung, der die Grundbesitzer über Nacht bereicherte. Sie errichteten ihre reichen Paläste mit Materialien aus Europa.

Das Theatro da Paz war das Zentrum des kulturellen Lebens in Amazonien und bot Konzerte europäischer Künstler. Eine von ihnen erregte die besondere Aufmerksamkeit des Publikums: die schöne französische Sängerin Camille Monfort (1869–1896). Sie löste bei den reichen Herren der Region ungezügelte Begierde und bei ihren Frauen grausame Eifersucht aus.