Belfast und die Prägung eines Blicks
Garth Ennis, 1970 in Holywood, County Down, Nordirland, geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Belfast, einer Stadt, die in den 1970er- und frühen 1980er Jahren von einem brutalen internen Konflikt zerrissen war. Der bewaffnete Konflikt zwischen republikanischen und unionistischen paramilitärischen Gruppen sowie die britische Militärpräsenz bestimmten das Leben in Belfast in einer Intensität, die Außenstehende nur schwer begreifen können. Checkpoints gehörten zum Alltag, Bombendrohungen waren an der Tagesordnung, und die allgegenwärtige Nutzung von Gewalt als politisches Werkzeug prägte das Leben der Menschen. Obwohl Ennis in Interviews betont hat, dass er kaum bewusste Erinnerungen an diese Zeit hat, ist gerade diese vermeintliche Normalität bezeichnend. Niemand wächst in einem von Gewalt geprägten Umfeld auf, ohne eine gewisse Haltung dazu zu entwickeln, und sei es ein nüchternes Verständnis dessen, was Gewalt ist und wie sie die Menschen verändert.
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| Garth Ennis via Marvel Fandom |
Dieses Verständnis durchzieht das gesamte Schaffen von Ennis und hebt ihn signifikant von vielen anderen seiner Kollegen ab. Während etwa Frank Miller Gewalt oft als ästhetisches Spektakel inszeniert oder Alan Moore sie bis ins kleinste Detail analysiert, stellt Ennis sie in einer kompromisslosen Direktheit dar. Er verzichtet auf Verklärung oder stilistische Ausschmückung. Gewalt ist bei ihm hässlich und alltäglich, mit realen Konsequenzen für Täter wie Opfer, mitsamt deren Schwächen, Fehlern und einer manchmal tragischen Lächerlichkeit.
